Man sagt ja, Pionierarbeit sei nie leicht, steinige Wege müsse man gehen, zahlreiche Entbehrungen auf sich nehmen, gegen Windmühlen kämpfen, Kritiker und Neider in Schach halten und hat man es dann doch endlich geschafft, irgendwann und -wo der Erste zu sein, wäre das erst der Anfang aller Mühen.
Nun, all dieses kann ich zumindest für unser aktuelles internes und abgeschlossenes Projekt, dem Relaunch des Webauftritts von pxp interactive, nicht bestätigen. Ich will mich zwar nicht so weit aus dem Fenster lehnen und behaupten, dass wir ähnliches geleistet haben wie seinerzeit Amundsen und Scott am Nordpol, Hans Krankl in Cordoba oder wie es Felix Baumgartner in 32 KM Höhe über der Erdoberfläche plant. Aber schaut man sich einmal den Stellenwert des Microsoft SharePoint Servers in Bezug auf seinen Einsatz als Web Content Management System im Internet an, so kann man uns durchaus zu den ersten Solution Partnern überhaupt zählen, die das Wagnis (wenn es denn überhaupt eines war) und die Herausforderung auf sich genommen haben, dem teilweise immer noch belächelten bzw. nicht vorhandenen Ruf des SharePoint als Internet Publishing Plattform etwas auf die Sprünge zu helfen. Denn verdient hat er es!
pxp hat ja bereits 2008 ein sehr spannendes Web Content Management Projekt umgesetzt, den Relaunch der Webseite der Innsbrucker Netzwerk Infrastruktur Spezialisten phion AG auf Basis SharePoint 2007. Mit den dort eingesetzten Features wie z.B. Content Deployment über eine doppelte Staging-Umgebung und den Variations für verschiedene Sprachversionen der Webseite war dieses Projekt wahrlich keine Standard SharePoint Implementierung, sondern durchaus eine von der Architektur, aber auch vom umzusetzenden Design her anspruchsvolle Aufgabe (wer mehr über dieses Projekt erfahren möchte, kann sich direkt bei uns oder in der offiziellen Referenz auf dem Microsoft Partner und Solution Portal detailliert informieren). Sie war nicht durchgängig einfach zu erfüllen, gerade die anfänglichen Bugs in den Variations oder den Alternate Access Mappings hatten uns das Leben ein bisschen schwerer gemacht als uns lieb war.
Umso abenteuerlicher erschien einigen mein Vorschlag, den bevorstehenden Relaunch unserer Webseite (www.pxp.eu) nicht mehr auf einer selbstprogrammierten oder Open Source Plattform umzusetzen, sondern den SharePoint Server dafür zu verwenden. Und wäre das nocht nicht des Abenteuers genug, dafür auch nicht mehr den mittlerweile etablierten und Bug-bereinigten MOSS 2007 herzunehmen, sondern gleich auf den sich noch in der Beta Phase befindlichen SharePoint Server 2010 zu setzen!
Meine Einstellung zu diesen Bedenken allerdings war und ist eine sehr pragmatische: Die neuen Features des SharePoint vor allem im extrem vereinfachten Content Editing, aber auch in der Template-Erstellung und den Design-Möglichkeiten hätten es als deutlich fahrlässiger bezüglich Aufwandsminimierung, Investitionsschutz und Innovation erscheinen lassen, hätten wir auf ein Produkt gesetzt, welches in wenigen Monaten durch seinen Nachfolger abgelöst wird und dabei Funktionen nachprogrammiert oder ausgelassen, die es dann out-of-the-box geben würde. Letztendlich haben diese Argumente auch unser Management überzeugt und so kam es dann Anfang Dezember zu dem Beschluss, den SharePoint 2010 als Plattform zu verwenden um unsere neue Website im Jänner zu relaunchen.
Diesbezüglich traf sich dann auch sehr gut, dass ebenfalls Anfang Dezember die Einladung der Microsoft kam, doch am xtopia Event 2010 teilzunehmen (hier gibt es eine kleine Microsite mit Eindrücken und der Präsentation davon) und dort etwas zu unserem Spezialthema Web Content Management zu präsentieren. Dass auch hier der MOSS 2007 kein Thema mehr sein sollte, war selbstredend, somit war klar, ein Showcase für SharePoint 2010 Web Content Management wäre perfekt für das Event, warum also nicht unseren Web-Auftritt verwenden? Genug Motivationen gab es also, und der Stichtag 27. Jänner bedeutete auch, dass diesem internen Projekt ein Scheitern, wie es vielen internen Projekten aufgrund der sich ständig verschiebenden Prioritäten schon zu Beginn droht, nicht erlaubt war, pxp.eu mußte am 26. Jänner Live gehen, komme was wolle…
Einen kompletten Webauftritt inklusive Design, Infrastruktur und Content innerhalb von nur 20 Arbeitstagen umzusetzen (mehr stand uns aufgrund des Umzugs der Firma und der damit verbundenen System- und Infrastruktur-Beeinträchtigungen nicht zur Verfügung) ist an sich ja schon eine sportliche Übung, unbeachtet der dafür verwendeten Plattform. Oder auch anders gesagt: wenn so ein knapper Zeitplan überhaupt einzuhalten ist, dann nur mit einer Plattform, die einerseits die Implementierung der Struktur und die Content-Eingabe entkoppelt, beides also parallel erfolgen kann und zum anderen im Redakteurssystem so einfach ist, dass auch Nicht-SharePoint Spezialisten ihre Inhalte dort eingeben und bearbeiten können. Und genau hierin lag meine Hoffnung ganz besonders auf dem SharePoint 2010. In den vier Monaten zuvor, in denen wir als Teilnehmer am SharePoint Technical Adoption Programm bereits umfassende Erfahrung mit dem Produkt in der Technical Preview sammeln konnten, hat sich für mich ganz klar herauskristallisiert, dass der MOSS 2007 und der SharePoint 2010 in Punkto Web Content Management überhaupt nicht mehr vergleichbar sind. Es hat diesbezüglich schon eine echte Evolution stattgefunden. Somit war mir klar, wenn, dann schaffen wir es nur mit diesem Produkt in der vorgegebenen Zeit.
Das Grobkonzept wurde innerhalb eines Tages aufgestellt, die Entwürfe der Grafik-Designer lagen bereits auf dem Tisch und ließen uns (zum Glück) keinerlei Möglichkeiten mehr, SharePoint Standard-Layouts zu verwenden. Es wurden Page-Templates entworfen, das Masterpage-Design inkl. Header und Footer festgelegt und Mitte Dezember begannen wir, die Infrastruktur aufzubauen (zunächst auf einem Entwicklungssystem) und dort die ersten Site-Collections anzulegen. Die Web-Strukturen standen bis Weihnachten, vor allem aber auch die notwendigen angepassten Content Typen, die unentbehrliche Basis für das spätere Page-Template Design und damit einfache Content Management mussten schleunigst fertiggestellt werden, damit die Seiten angelegt und schon mit Content befüllt werden konnten. Nach unserem groben Projektplan war mit der Fertigstellung der Templates und Masterpage nämlich nicht vor dem 20. Jänner zu rechnen, und dann erst mit der Eingabe des Content zu beginnen, wäre viel zu spät gewesen.
Somit wurde die Listen und Content Types mit Hochdruck noch vor dem Jahreswechsel erstellt, und nachdem alle Kollegen sowie das Equipment wohlbehalten den Jahreswechsel und Firmen-Umzug hinter sich gebracht hatten, konnten die ersten Inhalte in die Seiten eingegeben werden. Dabei hat sich allerdings auch gezeigt, dass sich viele Menschen durchaus schwer tun, Texte und Bilder zu erstellen und einzupflegen, wenn sie noch nicht wissen, wie diese dann endgültig auf der Seite aussehen.
Der WYSIWIG Editor vom SharePoint 2010 bietet hierzu ja ein hervorragendes Hilfsmittel, kann ich doch wie im Word, Powerpoint oder auch jedem anderen (auch nicht-Microsoft) Office Produkt Texte schreiben, formatieren und umstellen. “Cut and Paste”, inline Editing, Einfügen von Bildern, Tabellen und sogar Filmen per Mausklick und teilweise sogar Drag & Drop sind nur einige der Features, die einen wesentlichen Unterschied zu anderen WCM Systemen ausmachen. Wenn jedoch die Page-Templates, die genau dies unterstützen und die notwendigen anpassbaren Styles und Formatierungsfunktionen mitbringen, noch nicht implementiert sind, so tut man sich ungleich schwerer mit dem Vertrauen, dass der eingegebene Text nachher schon so aussieht, wie man es sich vorstellt.
Wir haben also an allen Ecken der Baustelle gleichzeitig gearbeitet und wie beim Bau eines größeren Gebäudes sah es anfänglich überhaupt nicht danach aus, als würde man hier später jemals darin “wohnen” können… Keine Fenster, Türen oder Decken, gerade mal nackte Wände. Als die ersten Templates dann aber deployed wurden und man bereits die richtigen Farben, Schriftarten, Footer und Header-Bilder erkennen konnten, ging es beinahe Schlag auf Schlag und die ehemals unstrukturierten Text-Seiten sahen nun schon fast wie richtige Webseiten aus.
Nun denkt sich mancher Betrachter vielleicht, dass hier viel getrickst und programmiert wurde. Mitnichten war das der Fall. Wir haben nicht eine Zeile SharePoint Code schreiben müssen, weder der SharePoint Designer noch C# kam zum Einsatz, sämtliche grafischen Anpassungen wurden über Custom Style Sheet Klassen implementiert, als Solutions verpackt und anschließend im Portal deployed. Auch im Solution Deployment hat sich der SharePoint trotz seines Beta-Status vorbildlich verhalten, Deployment – Retracting -Deplyoment – Retracting – Deployment, teilweise bis zu 5 Mal in einer Stunde hat er klaglos und ohne Fehler über sich ergehen lassen (sauber erstellte Solutions natürlich vorausgesetzt), hier haben wir beim MOSS 2007 auch schon ganz anderes mitgemacht.
Natürlich hat unser Web-Auftritt nicht die inhaltliche und strukturelle Tiefe eines Konzern-Internet Auftritts wie z.B. einer Microsoft, das wäre innerhalb von 20 Tagen alleine aufgrund der Content-Menge nicht zu schaffen gewesen, aber die erstellten Templates, die Einbindung von dynamischen und auf Listen basierenden Inhalte (wie z.B. die Metadaten zu unseren Referenz-Seiten) geht über die Gestaltung eines statischen Webs weit hinaus und ist damit einer Web Content Management Referenz auf jeden Fall würdig.
Die letzten 4 Tage vor dem Launch standen dann ganz im Zeichen des Bug-Fixings, der Content-Eingabe und dessen redaktioneller Überarbeitung. Die jeweils fertig erstellten Seiten wurden dem Management zur Freigabe vorgelegt (sehr bequem über die internen out-of-the-box Approval-Workflows des SharePoint realisiert) und sukkzessive publiziert. Die Stunde der Wahrheit rückte immer näher, schließlich sollte die Umschaltung des DNS-Eintrags im Internet bis 26.01., 24 Uhr erfolgt sein…
Am Abend des 26. um 18.00 Uhr dann taucht plötzlich ein Show-Stopper auf: Das Scrolling in der Webseite war nach einem Zwischen-Deployment nicht mehr möglich, weder im Internet Explorer noch im Firefox. Ein Anflug von leichter Panik und einige Zweifel breitete sich aus: Würde sich nun doch rächen, dass wir auf ein Beta-Produkt gesetzt haben? Intensive Fehlersuche schränkte das Problem dann aber sehr schnell auf die Masterpage und die Ribbon-Menüleiste ein. Nachdem die nämlich aus der Masterpage für alle Anonymen Webseitenbesucher entfernt worden war, erschienen auch keine Scroll-Leisten mehr.
Um 22.30 Uhr schließlich kam die Entwarnung, Scrollen funktioniert wieder! Bei der Lösungsfindung hat uns ein Blick auf die SharePoint Seite von Microsoft selbst (sharepoint.microsoft.com) geholfen. Das Entfernen der Ribbon ist nämlich nicht die Lösung, sondern richtiges Ausblenden ist es! Microsoft selbst ändert nur die Sichtbarkeit der Leiste auf der Webseite, lässt sie aber als Control weiterhin in der Page. Nach diesem kleinen Stolperstein ging es dann mit schnellen Schritten dem Ende zu und um 0.20 Uhr am 27.01. konnten wir den DNS-Eintrag umschalten, nur 20 Minuten nach dem avisierten Termin.
Fazit: Die (recht geringe) Mühe hat sich unbedingt gelohnt. Mit dem Web Content Management des SharePoint 2010 ist Microsoft durchaus ein großer Wurf gelungen, schnelles Deplyoment, saubere Implementierung und ein anspruchsvolles Design sind keine Anforderungen mehr, die ihn in Bedrängnis bringen könnten. Und für ein Beta-Produkt hat es bereits eine erstaunliche Reife, die einen Einsatz auch schon vor dem offiziellen Release Datum im Q2 2010 problemlos möglich machen. Natürlich ist er nicht fehlerfrei, aber bis zum Release sind ja noch ein paar Tage hin und ich bin mir sicher, die Microsoft-Entwickler werden ähnlich wie wir in den letzten Tagen vor dem Release nur selten an Schlaf denken… Dafür ist die Pflege unseres Webs nun ein echtes Kinderspiel und fast schon ein Vergnügen… !


[...] hingelegt. Hürden und Vorgehensweisen kann man in den Artikeln von Markus Schneebeck auf dem PXP Blog (WCMS) und dem österreichischen Sharepoint Blog [...]
1,8 MB scripts beim ersten Laden der Homepage?
1,8 MB JavaScript on Load:
Da es sich momentan noch um eine Beta-Version des SharePoint handelt, werden beim Aufruf noch sehr viele JavaScripte geladen, die grösstenteils nur für das Editing gedacht sind. Sobald die Final-Version verfügbar ist, werden wir für das Publizieren die Content Deployment Funktion von Sharepoint verwenden und in der publizierten Seite einige dieser Java Scripts ausnehmen bzw. zusammenführen.
Da das Laden der Skripte aber asynchron erst nach dem Aufbau der Seite erfolgt, hat dies nur einen sehr geringen Einfluss auf die Performance, trotzdem sind sie natürlich teilweise obsolet.
Re: Markus Schneebeck
Nun ja, bei MOSS 2007 waren die Skripte auch im RTM auch im non-Editing mode enthalten.
Hat sich das bei 2010 geändert? Habe ich so meine Zweifel.
Async laden der Skripte: Der größte Teil der Skripte wird vor dem OnLoad geladen, also sync (-> Firebug). Nichts mit “egal wir gross”. “Egal wie gross” hin oder her, der IE8 hat m.E. immer noch das zwo connection limit pro server. Wenn das mit dem Verhalten so bleibt, ist das armselig.
Ich habe ja auch nicht geschrieben, dass Microsoft die Skripte in der RTM entfernen wird, sondern dass wir es tun werden, wenn es nötig und sinnvoll ist.
Ob die Editing-Skripte im non-Editing Mode der RTM vorhanden sind, werden wir sehen, wenn die RTM draussen ist. Vorher darüber zu diskutieren, ist eher müßig…
Und die Skripte werden NACH dem Load geladen, Firebug ist da nicht korrekt (siehe Sourcecode der Seite).