Google hat in den letzten Wochen seine Online Applikationen um Google Sites erweitert. Google Sites ist ein auf dem zugekauften Webdienst JotSpot basierendes Wiki, welches die bereits bestehenden Google Applikationen (Google Docs & Spreadsheets, Google Widgets, Google Calendar, Google Mail, Google IM, Google Startpage, Google Suche) um weitere Team Collaboration Features erweitern aber auch unter einem Dach zusammenfassen soll. Die Analogie mit Microsoft Sharepoint drängt sich im ersten Moment durchaus auf, Google selbst hat die als Google Apps subsummierten Produkte als Microsoft Sharepoint Killer bezeichnet.
Google Sites soll die Online Office Dokumente, erzeugt mit Google Docs und Spreadsheets, in Dashboards und Listen zusammenfassen und in einem übergeordneten Layer neue Funktionen ermöglichen – ähnlich wie dies Microsoft Sharepoint mit lokal erzeugten Office Dokumenten tut.

Die wohl marketingmotivierte Aussage um den “Sharepoint Killer” von Matthew Glotzbach, Google’s Management Director of Enterprise, hat zu regen Diskussionen in vielen Blogs geführt (zb Google Sites: A Sharepoint Killer?, Techcrunch: It Took 16 Months, But Google Relaunches Jotspot), viele enden mit einer versöhnlichen Aussage: Momentan ist das Featureset von Google zu gering, um ernsthaft mit Sharepoint zu konkurrieren. Was die Zukunft bringt ist nicht abzuschätzen, allerdings wird Google zugetraut, eine tatsächliche Alternative zu bieten.
Aus meiner Erfahrung ist Microsoft Office Sharepoint Server derzeit vom Featureset absolut nicht mit Google Apps zu vergleichen, die Grundfunktionalitäten von Sharepoint sind viel umfangreicher, die Integrationsmöglichkeiten in die Firmeninfrastruktur (ECM, AD, SAP, etc) bei Sharepoint sind ungleich höher, die funktionale und ästethische Anpassbarkeit von Sharepoint ist technisch überlegen, die Berechtigungsstruktur in Sharepoint ist feingranularer. Die Liste lässt sich beliebig fortführen. Ein sehr ausführlicher Vergleich zwischen Sharepoint und Google Apps findet sich auf ReadWriteWeb.com: Google Sites the Next Sharepoint? Maybe Not….Why Google Apps Could Lose the Enterprise Market.
Es gibt zwar bereits auch für Google Apps Integrationsmöglichkeiten in lokale Infrastruktur (z.B. Active Directory), kommerzielle Erweiterungen für die Integration in Salesforce, eine einfache Anpassbarkeit des Look & Feels und manch attraktive Möglichkeiten der Featureerweiterung durch die Vielzahl an Google Applikationen. Die Frage nach dem Datenschutz bzw Umgang mit Firmendaten auf Google Infrastruktur und die unklare Rechtslage durch das Hosting bei Google wiegt aber sehr schwer.
Daher ist der Featurevergleich von Google Apps und Microsoft Office Sharepoint Server aus meiner Sicht derzeit nicht relevant. Der Vergleich muss daher wohl eher mit Microsoft Office Live Workspace gezogen werden, eine Online Sharepoint light Variante, gehostet bei Microsoft. Microsoft hat die Notwendigkeit einer solchen software-plus-services Strategie erkannt, Ray Ozzie, Microsoft’s Chief Software Architect erzählt darüber ausführlich in einem Interview mit Om Malik.
Die Verschmelzung von Desktop Anwendungen und Online Web Applikationen geschieht also sowohl bei Microsoft als auch bei Google. Google dringt mit der Offline-Technologie Google Gears in die Windows, Mac OS X und Linux Desktops vor, Microsoft bringt mit Sharepoint und Office Live Workspace sein Flaggschiff Office ins Web.
Auch wenn die Major Player wie Google und Microsoft hierbei viel Aufmerksamkeit auf sich ziehen, Online Collaboration Lösungen gibt es einige, Zoho, Atlassian Confluence bzw onconfluence, um nur Einige zu nennen.
Die Verlockung mag bereits jetzt für KMUs und Vereine gross sein, eine der genannten Online Platformen einzusetzen, besonders wenn im Haus derzeit noch keine derartige Online Collaboration Platform genutzt wird. Es sollte aber nicht vergessen werden, dass auch diese scheinbar fixfertigen Tools in einem Projekt evaluiert, angepasst und eingeführt werden müssen.